Der SoVD Hamburg stellte drei Fragen an Dr. Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg.
Herr Bosse, wer in Hamburg eine bezahlbare Wohnung hat, gibt sie nicht mehr her. Der Wohnungsbau verändert sich – Stichwort Hamburg-Standard. Wie wird die Wohnung der Zukunft aussehen?
Im Idealfall energetisch sinnvoll, barrierearm, von der Fläche her auf den tatsächlichen Bedarf derer ausgerichtet, die auf Wohnungssuche sind. Und vor allem bezahlbar! Der Hamburg-Standard soll dazu einen Beitrag leisten. Er hat das Zeug dazu, Baukosten zu senken bei weiterhin hoher Qualität fertiger Wohnungen. Doch er muss auch umgesetzt werden – durch Bauwirtschaft, Wohnungsunternehmen und Bezirksbehörden. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen schneller werden. Entscheidend ist aber, dass eingesparte Kosten die Mieten senken – nicht die Renditen erhöhen.
Welche Maßnahmen bräuchte es, um den sozialen Wohnungsbau voranbringen?
In Hamburg haben wir eine verlässliche und sinnvolle öffentliche Wohnraumförderung. Trotzdem braucht es deutlich mehr Neubau im geförderten Segment. Der Anteil sozial gebundener und gemeinwohlorientiert bewirtschafteter Wohnungen muss steigen, sonst verschärft sich die soziale Spaltung. Wohnungsunternehmen, die sozialverträglich bauen oder energetisch sanieren wollen, sind bei Planungs- und Genehmigungsprozessen zu bevorzugen. Unsere Investitions- und Förderbank (IFB) kann zur zentralen Finanzierungsstelle für zinsgünstige Kredite werden, damit sich Wohnungsunternehmen wie die SAGA und unsere Genossenschaften nicht mehr den hohen Zinsen des freien Kapitalmarkts ausgesetzt sehen.
Wie muss sich Hamburg weiterentwickeln, damit alle Bewohner:innen in allen Quartieren gute Wohnbedingungen vorfinden?
Vor allem muss es in jedem Quartier genug bezahlbaren Wohnraum geben. Die Bezirke können die Genehmigung von Neubauvorhaben davon abhängig machen, dass gemeinnützig oder öffentlich gefördert gebaut wird. Kommunale Flächen werden nur noch im Erbbaurecht vergeben, Bodenspekulation wird aktiv bekämpft. Auf städtischem Grund dürfen nur preisgebundene Wohnungen entstehen. Eine soziale Durchmischung in allen Stadtteilen gelingt nur, wenn auch in begehrten Quartieren mindestens 60 Prozent des verfügbaren Wohnraums bezahlbar ist, die Haushalte also nicht mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen aufbringen müssen.
